CQ, QRM & Co. – Die Geheimsprache der Funker
Wer schon einmal zufällig ein Funkgespräch zwischen Funkamateuren oder CB-Funkern mitgehört hat, wird sich unweigerlich gefragt haben: Was zum Teufel ist „CQ“, „QSO“ oder „QRM“? Diese kryptischen Buchstabenkombinationen sind das sprachliche Rückgrat des Funkverkehrs – ein System aus Abkürzungen und Codes, das die Kommunikation über die Luft schneller, präziser und vor allem international verständlich macht.
Die Q-Gruppen: Das universelle Funk-ABC
Im Zentrum der Funkersprache stehen die sogenannten Q-Gruppen (auch Q-Schlüssel genannt). Es handelt sich um Abkürzungen aus drei Buchstaben, die mit Q beginnen, und deren Ursprung bis in das Jahr 1906 zurückreicht, als sie auf der Internationalen Konferenz für Radiotelegrafie in Berlin erstmals verbindlich festgelegt wurden . Sie sollten die damals noch per Morsetelegrafie geführten Gespräche zwischen Schiffen auf See vereinfachen und sind bis heute ein fester Bestandteil des Funkverkehrs geblieben.
Das Geniale an den Q-Gruppen: Jede Abkürzung kann sowohl als Frage als auch als Aussage verwendet werden. Der Unterschied ergibt sich aus dem Kontext .
Die wichtigsten Q-Gruppen für Einsteiger
Q-Gruppe Bedeutung (als Aussage) Bedeutung (als Frage)
QRM = Ich werde gestört Werden Sie gestört?
QRN = Ich habe atmosphärische Störungen Haben Sie atmosphärische Störungen?
QTH = Mein Standort ist … Wo ist Ihr Standort?
QSO = Ich kann mit … direkt verkehren Können Sie mit … verkehren?
QSL = Ich gebe Empfangsbestätigung Können Sie Empfangsbestätigung geben?
QRV = Ich bin bereit Sind Sie bereit?
QRT = Stellen Sie die Übermittlung ein Soll ich die Übermittlung einstellen?
QRX = Ich rufe später wieder Wann rufen Sie wieder?
(Quelle: DARC Q-Schlüssel-Liste )
CQ – Der Ruf in die Weite
CQ ist wahrscheinlich die bekannteste und am häufigsten gehörte Abkürzung im Funkverkehr. Seine Bedeutung: „Allgemeiner Anruf an alle Stationen“ . Wer CQ ruft, möchte ein Gespräch mit einer beliebigen, ihm noch unbekannten Gegenstation beginnen.
Die Herkunft von „CQ“ ist nicht vollständig geklärt. Eine populäre Theorie besagt, dass es sich um eine lautmalerische Verkürzung von „seek you“ („suche dich“) handelt – eine Erklärung, die von der ARRL, dem amerikanischen Amateurfunkverband, als plausibel angesehen wird . Eine andere Deutung besagt, dass „CQ“ ursprünglich einfach „attention“ oder „Achtung“ bedeutete .
Die korrekte Form des CQ-Rufs
Ein ordnungsgemäßer CQ-Ruf folgt einem festen Schema. Die IARU (International Amateur Radio Union) empfiehlt folgende Struktur :
„CQ CQ de [eigenes Rufzeichen] [eigenes Rufzeichen] AR“
· „CQ CQ“ – Der allgemeine Anruf, zweimal gesendet
· „de“ – von (französisch „de“ = „von“)
· Rufzeichen – zweimal genannt, damit die Gegenstation es sicher aufnehmen kann
· „AR“ – Kennzeichnung für „Ende der Übertragung“ (steht für „end of message“)
Ein häufiger Anfängerfehler ist, den CQ-Ruf mit „AR K“ zu beenden. Das ist falsch, denn „K“ bedeutet „go ahead“ („bitte kommen“) und würde implizieren, dass man das Wort an jemanden übergibt – obwohl ja noch niemand geantwortet hat. Der korrekte Abschluss eines CQ-Rufs ist „AR“ allein .
Weitere wichtige Abkürzungen im Funkverkehr
Neben den Q-Gruppen haben sich im Laufe der Zeit zahlreiche weitere Abkürzungen etabliert, die vor allem in der Morsetelegrafie (CW) und im Amateurfunk verwendet werden:
Abkürzung Bedeutung:
73 = Viele Grüße (Standardgruß zum Abschluss)
88 = Liebe und Küsse
OM = Old Man – freundliche Anrede für einen Funkamateur
YL = Young Lady – weiblicher Funkamateur
XYL = Ehefrau (wörtlich: „ex young lady“)
HI = Lachen (in CW)
PSE = Please (bitte)
TNX = Thanks (danke)
GL = Good luck (viel Glück)
GM/GA/GE = Good morning/afternoon/evening
ES = Und (spanisch/portugiesisch)
FB = Fine business (ausgezeichnet)
RIG = Stationseinrichtung (Funkgerät)
ANT = Antenne
PWR = Power (Leistung)
(Quellen: Bundesnetzagentur Abkürzungsliste , DF2OK Amateurfunk-Abkürzungen )
Die Eigenheiten des CB-Funks
Während der Amateurfunk stark von den standardisierten Q-Gruppen geprägt ist, hat sich im CB-Funk (Citizen Band) eine ganz eigene, oft lebendigere und regional gefärbte Sprache entwickelt. CB-Funker nutzen zwar ebenfalls viele Q-Gruppen, haben aber zahlreiche eigene Begriffe und Redewendungen hervorgebracht .
Beispiele aus dem CB-Funk-Jargon
Begriff Bedeutung
Brenner Unerlaubter Sendeleistungsverstärker
Handquetsche / Handpuste Handfunkgerät
Abfangjäger Polizei
Die rote Mütze aufhaben Leitstation einer Funkrunde sein
Blechparty Unfall
2 m machen Schlafen gehen (Anspielung auf das 2-Meter-Band)
600 (Ohm) Telefon
Keramik Toilette aufsuchen
128 Viel Erfolg & viele Grüße (73 + 55 = 128)
(Quelle: Wikipedia-Liste der CB-Funk-Begriffe )
Im CB-Funk wird auch das 10-Code-System verwendet, das ursprünglich aus dem amerikanischen Polizeifunk stammt. So bedeutet beispielsweise „10-4“ „Verstanden“ oder „10-20“ „Mein Standort ist …“ .
Warum diese Sprache auch heute noch wichtig ist
Die Funkersprache ist weit mehr als nur eine Ansammlung technischer Abkürzungen. Sie ist ein lebendiges Kulturgut, das Generationen von Funkern über Kontinente und Sprachgrenzen hinweg verbindet. Wer die Q-Gruppen beherrscht, kann sich mit einem Funkamateur in Japan, Brasilien oder Norwegen verständigen, ohne ein Wort der jeweiligen Landessprache zu sprechen.
Darüber hinaus erfüllt die standardisierte Sprache einen praktischen Zweck: Bei den oft schwachen und verrauschten Signalen auf den Kurzwellenbändern ist es entscheidend, Informationen so kurz und eindeutig wie möglich zu übermitteln. Jede gesparte Silbe erhöht die Chance, dass die Nachricht korrekt ankommt.
Also: Wenn Sie das nächste Mal ein „CQ CQ de 13DL57“ hören, wissen Sie jetzt: Da ruft jemand in die Weite – und hofft, dass jemand antwortet.