SSTV (Slow Scan Television) im CB- und Amateurfunk
SSTV (Slow Scan Television, auch Schmalband-Fernsehen genannt) ist eine analoge Betriebsart, mit der Standbilder über Funk übertragen werden. Im Gegensatz zum normalen Fernsehen, das mehrere Megahertz Bandbreite braucht, passt SSTV in einen normalen Sprachkanal von ca. 3 kHz. Deshalb funktioniert es hervorragend auf Kurzwelle, UKW und auch im CB-Funk.
Wie funktioniert SSTV?
Ein Bild wird zeilenweise abgetastet. Die Helligkeit (und bei Farbe die Farbkomponenten) steuert die Frequenz eines Tons:
1500 Hz = Schwarz
2300 Hz = Weiß
1200 Hz = Sync-Impulse (Zeilen- und Bildsynchronisation)
Diese Töne werden über SSB (meist USB) oder FM gesendet. Am Empfänger wandelt eine Software oder App die Töne wieder in ein Bild um – Zeile für Zeile baut sich das Bild auf dem Bildschirm auf. Die Übertragungsdauer liegt je nach Mode zwischen ca. 8 Sekunden (einfache Schwarzweiß-Bilder) und mehreren Minuten (hochauflösende Farbbilder).
Beliebte Modes
Die am häufigsten genutzten Modes sind:
Martin M1 (ca. 114 s, 320×256) – Standard in Europa
Scottie S1 (ca. 110 s, 320×256) – besonders in Nordamerika beliebt
Robot 36 (ca. 36 s, 320×240) – schnell, ideal für schwache Signale und ISS-Aussendungen
PD120 (ca. 126 s, höhere Auflösung) – oft von der ISS verwendet
Es gibt noch viele weitere (Martin M2, Scottie S2/DX, Wraase SC-2, verschiedene PD-Modes usw.). Moderne Decoder erkennen den Mode meist automatisch über den VIS-Code am Anfang der Übertragung.
SSTV im Amateurfunk
Im Amateurfunk ist SSTV eine etablierte und sehr populäre Betriebsart. Typische Frequenzen (IARU Region 1 / Europa):
Band
Frequenz
Mode
80 m
3.725–3.740 MHz
LSB
40 m
7.050–7.060 MHz
LSB
20 m
14.230 MHz (Hauptfrequenz)
USB
15 m
21.340 MHz
USB
10 m
28.680 MHz
USB
2 m
144.500 MHz
USB/FM
70 cm
432.500 MHz
USB
Besonders spannend sind die regelmäßigen SSTV-Aussendungen der Internationalen Raumstation (ISS) auf 145.800 MHz FM. Mit einem einfachen Handfunkgerät und einer Smartphone-App kann man die Bilder empfangen.
SSTV im CB-Funk
Auch im CB-Funk wird SSTV betrieben, wenn auch deutlich seltener und mit geringerer Aktivität als im Amateurfunk. Typische Frequenzen:
27,235 MHz (Kanal 24) – FM oder USB
27,305 MHz (Kanal 30) – vor allem für DX, FM
Hier ist die Qualität oft schlechter (weniger Leistung, mehr Störungen, kürzere Antennen), aber es funktioniert und macht Spaß. Manche CB-Stationen nutzen auch Software wie MMSSTV oder Smartphone-Apps.
Was braucht man zum Einstieg?
Zum Empfangen (sehr einfach):
Funkgerät (auch einfaches Handfunkgerät oder CB-Gerät)
Computer mit Soundkarte + Software (MMSSTV für Windows, QSSTV für Linux)
oder Smartphone-App (Robot36 für Android, SSTV Slow Scan TV für iOS)
Audio-Verbindung (Kabel oder einfach Mikrofon ans Lautsprecher halten)
Zum Senden:
Zusätzlich eine Möglichkeit, das Audiosignal in den Sender einzuspeisen (Soundkarten-Interface oder VOX)
Im Amateurfunk: entsprechende Lizenz und Einhaltung der Bandpläne
Tipps für den Betrieb
Vor dem Senden immer hören, ob die Frequenz frei ist.
Auf Kurzwelle ausreichend Abstand (ca. 3 kHz) zu anderen Stationen halten.
Schöne, klare Bilder senden – keine anstößigen Motive.
Bei schlechten Bedingungen lieber einen schnelleren Mode (Robot 36) wählen.
Die ISS-Events sind ein super Einstieg – man braucht dafür nicht einmal eine Amateurfunklizenz zum Empfangen.
SSTV verbindet Technik, Experimentierfreude und den Austausch von Bildern über weite Strecken. Ob man die ersten Bilder von der ISS empfängt, auf 20 m eine QSO-Karte austauscht oder im CB-Funk mit Freunden Bilder schickt – es bleibt faszinierend, wie aus einem einfachen Tonsignal ein Bild entsteht.
Viel Spaß beim Experimentieren und 73!