**Der US-amerikanische CB-Funk: Entstehung, Boom und der Weg nach Deutschland**
Der CB-Funk (Citizen’s Band Radio, auf Deutsch oft „Bürgerband“ oder „Jedermannfunk“ genannt) ist ein klassisches Beispiel für eine Technologie, die aus dem Militär und der Nachkriegszeit entstand und später zu einem Massenphänomen wurde. Er ermöglichte erstmals einer breiten Öffentlichkeit einfache, lizenzfreie oder wenig regulierte Zweiwege-Kommunikation auf Kurzwelle – ohne die strengen Prüfungen des Amateurfunks.
### Die Anfänge in den USA
Die Idee eines „Bürgerfunks“ reifte bereits während und direkt nach dem Zweiten Weltkrieg. Viele Soldaten hatten mit tragbaren Transceivern (Funkgeräten) gearbeitet und wollten ähnliche Technik im zivilen Leben nutzen. FCC-Kommissar E. K. „Jack“ Jett propagierte 1945 die Idee eines persönlichen Funkdienstes für jedermann. Die Federal Communications Commission (FCC) wies 1945/1947 den Frequenzbereich 460–470 MHz (UHF) dem neuen Citizens Radio Service zu. Es gab die Klassen A (leistungsstärker, für professionellere Nutzung) und B (einfacher und günstiger für die Allgemeinheit).
Pionier war vor allem Al Gross (oft „Vater des CB-Funks“ genannt). Er hatte bereits 1938 einen tragbaren „Walkie-Talkie“ entwickelt und gründete Ende der 1940er Jahre die Citizens Radio Corporation. Seine Geräte wurden unter anderem an Farmer und die US Coast Guard verkauft. Die frühen UHF-Geräte blieben jedoch teuer, sperrig und hatten begrenzte Reichweite, sodass die Verbreitung schleppend blieb.
Der entscheidende Durchbruch kam am 11. September 1958: Die FCC schuf die Class-D-Frequenzen im 27-MHz-Bereich (11-Meter-Band). Dieses Band stammte teilweise aus dem Amateurfunk und bot bessere Reichweiten bei niedrigeren Kosten, da Komponenten aus Rundfunkempfängern genutzt werden konnten. Anfänglich gab es 23 Kanäle (später auf 40 erweitert). Die Geräte waren zunächst noch röhrenbasiert und relativ groß, wurden aber durch die Transistortechnik in den 1960er Jahren kleiner, günstiger und mobiler. Nutzer waren anfangs vor allem Kleinunternehmer (Handwerker, Lieferdienste), Farmer und Hobbyfunker.
### Der große Boom in den 1970er Jahren
Zum Massenphänomen wurde CB-Funk erst in den frühen 1970er Jahren. Auslöser waren die Ölkrise 1973 (Treibstoffknappheit) und das 1974 eingeführte bundesweite Tempolimit von 55 mph. Lkw-Fahrer nutzten die Geräte, um sich über freie Tankstellen, Staus, Straßenbedingungen und „Smokies“ (Radarfallen der Highway Patrol) auszutauschen. Channel 19 wurde zum Standard-Fernfahrerkanal.
Der Boom griff auf die allgemeine Bevölkerung über. 1977 erweiterte die FCC die Kanäle von 23 auf 40. Es entstanden eine eigene Sprache („10-4“, „Good Buddy“, „Breaker“), Hit-Songs wie „Convoy“ von C. W. McCall und Filme wie *Smokey and the Bandit*. In der Spitze wurden Millionen Geräte verkauft. Die Lizenzpflicht wurde später praktisch aufgehoben – CB-Funk war (und ist in den USA) weitgehend lizenzfrei.
### Wie der CB-Funk nach Deutschland kam
In der Bundesrepublik Deutschland war der 27-MHz-Bereich bis Mitte der 1970er Jahre streng reglementiert. Es gab nur sogenannte „K-Geräte“ (Sprechfunkanlagen kleiner Leistung) mit FTZ-Zulassung, die einen Bedarfsnachweis und Genehmigung der Deutschen Bundespost erforderten. Illegale Importe aus den USA oder Japan existierten zwar in kleinen Kreisen, wurden aber verfolgt.
Der europäische Impuls kam 1974: Die CEPT (europäische Post- und Fernmeldeverwaltungskonferenz) empfahl in Lissabon einen einheitlichen Hobbyfunk im 27-MHz-Bereich. Die Bundesrepublik setzte dies mit der Amtsblattverfügung 393/1975 um. Ab dem **1. Juli 1975** war CB-Funk für jedermann freigegeben – zunächst auf den Kanälen 4 bis 15 (12 Kanäle) in Amplitudenmodulation (AM) mit maximal 0,5 Watt (Mobil-/Feststationen) bzw. 0,1 Watt (Handgeräte). Mobile und Handgeräte waren anmelde- und gebührenfrei; Feststationen erforderten anfangs noch eine Genehmigung.
Das löste einen regelrechten Boom aus. Geräte kamen oft aus Japan oder wurden von deutschen Herstellern (später bekannte Marken wie Albrecht, Stabo oder Midland) angeboten. Lkw-Fahrer und Hobbyfunker griffen begeistert zu. In der DDR blieb CB-Funk für Privatpersonen verboten und wurde überwacht; westliche Besucher mussten Geräte an der Grenze abgeben oder versiegeln lassen.
Die deutsche Regulierung entwickelte sich schrittweise weiter:
– 1981: Erweiterung auf 22 Kanäle in FM.
– 1983: 40 Kanäle FM (mit höherer Leistung) und Beibehaltung der 12 AM-Kanäle – die berühmte „40/12-Regelung“.
– 1996: Nationale Erweiterung auf 80 Kanäle.
– Spätere Freigaben erlaubten mehr Leistung (heute bis 4 W FM/AM und 12 W SSB auf den klassischen Kanälen) und machten den Betrieb weitgehend anmelde- und gebührenfrei.
### Fazit und heutige Bedeutung
Der CB-Funk ist ein Kind der US-amerikanischen Nachkriegszeit und der Demokratisierung der Funktechnik. Was in den USA als praktisches Werkzeug für Bürger und Berufskraftfahrer begann und in den 1970ern zur Popkultur wurde, fand ab 1975 in Deutschland als „Jedermannfunk“ rasch Anhänger – besonders unter Fernfahrern und Technikbegeisterten. Er war eine der ersten Formen mobiler, netzwerkartiger Kommunikation für die Breite der Bevölkerung, lange bevor Handys und Internet allgegenwärtig wurden.
Heute ist CB-Funk in Deutschland auf 80 Kanälen (teilweise mit AM, FM und SSB) möglich und bleibt vor allem bei Lkw-Fahrern, Offroad-Fans und in Funkclubs lebendig – ein Stück Technikgeschichte, das Freiheit und Gemeinschaft über den Äther verbindet.