Was bedeutet Ham ?

Was bedeutet Ham ?

Der Begriff „HAM“ (bzw. „Ham“) für Funkamateure stammt ursprünglich aus der Telegrafie und war zunächst abwertend gemeint.**

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert verwendeten professionelle Landlinien-Telegrafisten („wire telegraphers“) die Bezeichnungen „ham“ und „plug“ für unerfahrene oder ungeschickte Operatoren – also solche mit schlechter „Hand“ an der Taste („ham-fisted“ = plump, tollpatschig). Das Wort existierte schon früher als Slang für Inkompetenz (ähnlich wie „ham actor“ für einen schlechten Schauspieler). Als die drahtlose Telegrafie (Wireless) aufkam, übernahmen viele ehemalige Draht-Telegrafisten den Begriff und nannten damit abwertend die Amateurfunker, die sie für unfähig hielten.

Belege dafür gibt es schon früh: 1909 wird der Begriff in einem Bericht über eine abgehörte Amateur-Sendung verwendet („I think he is a ham“). Professionelle Radiotelegrafisten und auch manche ernsthafte Amateure gebrauchten ihn zunächst pejorativ (z. B. in QST 1916 noch abwertend für „spark coil hams“). Ab etwa 1919/1920 übernahmen die Amateure den Begriff selbstbewusst und positiv – vergleichbar mit der Umdeutung von „Yankee Doodle“. Seit den 1920er-Jahren setzte er sich international durch.

### Die bekannte Harvard-Geschichte ist ein Mythos
Sehr verbreitet (seit ca. 1948/1959 in Amateurfunk-Zeitschriften) ist die Anekdote, dass drei Harvard-Studenten (Albert S. Hyman, Bob Almy und Peggie/Poogie/Reggie Murray) um 1908/1909 eine Station betrieben und deren Rufzeichen von „Hyman-Almy-Murray“ über „HY-AL-MU“ zu „HAM“ verkürzten. Diese Station sei dann bei Debatten um Funkregulierungsgesetze zum Symbol aller kleinen Amateurstationen geworden.

Historiker und der Harvard Wireless Club haben das widerlegt: Es gibt keine Belege in zeitgenössischen Callbooks, Congressional Records oder Alumni-Verzeichnissen für diese Station bzw. die Geschichte in der kolportierten Form. Selbst wenn es eine Station „HAM“ (möglicherweise an einer High School) gegeben hat, steht sie in keinem Zusammenhang mit der Herkunft des allgemeinen Begriffs – der war schon früher gebräuchlich. Andere Mythen (Akronym aus Hertz-Armstrong-Marconi, „Home Amateur Mechanic“-Magazin usw.) sind ebenfalls unhaltbar.

Kurz gesagt: „HAM“ kam als Schimpfwort der Profis für „schlechte Operatoren“ und wurde von den Amateuren stolz übernommen. Heute ist es ein neutral-positiver, international gebräuchlicher Spitzname für Funkamateure.

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